Warum braucht es eine Geschlechterquote?

In einer perfekten Welt braucht es keine Quote: Dort werden Frauen und Männer alleine aufgrund ihrer Qualifikationen und ihres politischen Engagements gewählt. In Liechtenstein – wo Frauen überhaupt erst seit 1984 wählen dürfen – sind alte Rollenbilder aber noch tief verwurzelt. Frauen werden anders beurteilt – und überdurchschnittlich oft von Wahllisten gestrichen.  Sie sind daher hoffnungslos unterrepräsentiert. Trotz Bemühungen von vielen Seiten für mehr Diversität, hat sich der Anteil der Frauen in politischen Gremien in den letzten Jahren sogar noch verkleinert. Mit einem beschämend kleinen Frauenanteil von 12 Prozent im Liechtensteiner Landtag im Jahr 2017 ist klar: Jetzt müssen konkrete Massnahmen ergriffen werden. 

Warum wählen die Frauen nicht einfach sich selbst?

Tatsächlich ist der Anteil von Frauen unter den Wählern in Liechtenstein mindestens so hoch wie jener der Männer. Sie stellen also keine Minderheit dar. Sind die Frauen also selber schuld? Nein. Denn es liegt im Interesse aller, die kompetentesten Kandidaten ungeachtet ihres Geschlechts zu wählen. Es kann nicht sein, dass Frauen gezielt Männer streichen müssen, um politisch fair repräsentiert zu werden. 

Eine Quote ist undemokratisch!

Tatsächlich? Quoten sind in der Politik etwas ganz Normales. Am bekanntesten ist in Liechtenstein die «Unterländerquote» bei den Landtagswahlen. Sie soll sicherstellen, dass es auch Kandidaten aus den einwohnermässig schwächeren Gemeinden mit weniger Stimmen  in den Landtag schaffen. Weibliche Kandidatinnen haben ebenfalls einen Nachteil und erhalten trotz Qualifikationen und starkem politischen Engagement weniger Stimmen. Deshalb müssen sie durch eine Quote unterstützt werden, damit auch Frauen fair politisch vertreten werden.

Vielleicht sind die Kandidatinnen einfach weniger kompetent?

Nur Hausfrau. Ungepflegt. Eine linke Feministin. Zu stark geschminkt. Ihr Mann ist unsympathisch. – Frauen müssen sich ganz schön viele (dumme) Argumente anhören, warum sie nicht gewählt werden. An ihrer Kompetenz und ihrem politischen Engagement liegt es sicher nicht, wenn man sich die Frauen ansieht, die es bei den Landtagswahlen 2017 nicht geschafft haben. Auch nicht an der politischen Ausrichtung, denn bei allen Parteien haben Frauen kandidiert – und überall wurden sie gestrichen. Es wird Zeit, dass Frauen nach den gleichen Massstäben beurteilt werden wie Männer.

Weitere Argumente

Eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung von weiteren Argumenten ist im Aufbau begriffen. Wir werden an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt ein umfassendes Q&A veröffentlichen.